Lichtblick Café & mehrgeistreich Jugendkirche

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Hes 36,26

Mittendrin statt nur dabei
Gemeindeleben > Auf ein Wort

Eine Kerze in einer Lampe steht draußen auf einer Bank, im Fenster dahinter sind fröhliche, musizierende Menschen erkennbarWenn’s draußen mal wieder so richtig ungemütlich ist – kalt, nass, windig –, dann freut man sich auf ein warmes Zuhause, ein Stück Behaglichkeit, Aufwärmen am Kamin, mit einer Tasse heißen Tee. Vielleicht mit lieben Menschen zusammen, der Familie, guten Freunden. Leise Musik im Hintergrund trägt zur Entspannung bei. Gesegnet, wem das vergönnt ist. Der Blick durchs Fenster wirkt einladend. Menschen, Lichter, Notenständer – und vor allem Wärme. Wie gern wär ich da jetzt drin, würde mich dazu gesellen, mitreden, vielleicht ja später noch gemeinsam musizieren. Vorweihnachtliche Stimmung genießen. Oder gemeinsam ins neue Jahr gehen.

Doch was, wenn für mich maximal der Platz auf der Bank vor dem Fenster frei bleibt? Was, wenn mir – wie damals dem trauten hochheiligen Paar – an der Türe gesagt wird: „Hier ist kein Platz mehr, unser Haus ist voll.“? Auch im Winter 2016/17 wird es wieder mehr als genügend Menschen geben, denen genau das widerfährt. Vielleicht sogar an der eigenen Haustür: Geh bitte weiter, versuch es woanders, stör mich doch bitte nicht in meinem Tagesablauf, in meiner Komfortzone, in meinem Trott.

Menschen bleiben Zaungäste der Gesellschaft. Übernachten unter den Kölner Brücken, finden vorübergehend Unterschlupf in stinkigen Obdachlosenstellen oder wohnen zu Hunderten auf engem Raum zusammengepfercht in einer für sie noch fremden Umgebung. Menschen, die resigniert sind, erschöpft und enttäuscht. Für sie bleibt allemal ein kurzer Moment, Platz zu nehmen auf der Bank, bevor schon der nächste kommt.

Licht im finstern Lande

Gottes Konzept für unser Miteinander schaut freilich anders aus: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ So hat es Jesaja den Entmutigten Israels seinerzeit verheißen. Und ihnen Trost und Hoffnung eingepflanzt, allen Realitäten zum Trotz.

Den Realitäten zum Trotz – trauen wir uns zu diesem Trotz überhaupt noch? Ist es nicht bequemer, dieser teuflischen Versuchung zu unterliegen, sich mit den berühmten Sachzwängen zufriedenzugeben!? Getreu dem Motto „Was kann ich Einzelner denn schon groß bewirken?!“ – „Warum denn sollte ausgerechnet ich die Schwangere mit ihrem Verlobten bei mir aufnehmen und ihnen Unterschlupf gewähren!? Kann ich denn etwas für ihre missliche Lage?“

Teilhabe ermöglichen

Mir geht die Geschichte vom barmherzigen Samariter durch den Kopf. Ja, als Christenmenschen sollten wir uns schon irgendwie füreinander verantwortlich fühlen. Mein Nächster ist doch der, der meine Hilfe braucht. Und doch muss ich auch verantwortlich mir selbst gegenüber bleiben. Damit ich mir meine eigenen Freiräume bewahre. Nicht ausgenutzt werde. Nicht nur noch für andere da bin. „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst“, zitiert Jesus die Tora. Ich kann die Welt nicht retten – Gott sei Dank muss ich das auch nicht. Ich darf, ja ich muss auch gerade auf meine Kräfte und Ressourcen schauen, und vielleicht entdecke ich dabei ja auch meine eigene Hilfsbedürftigkeit.

Aber vielleicht gelingt es uns ja irgendwann einmal, zumindest diese oft so dicke Mauer zwischen Draußen und Drinnen wenigstens ein Stück aufzubrechen, vielleicht die Fenster ein wenig größer zu machen und die Türen oder wenigstens die Herzen etwas weiter zu öffnen, um auch anderen Teilhabe zu ermöglichen. Teilhabe am Leben. Am Miteinander. An der Hoffnung. Weil geteiltes Leid halbes Leid ist, geteilte Freude aber doppelte Freude.

Dazu bedarf es keines großen Umbruchs. Dazu reicht es schon, dass sich jemand einen kurzen Moment lang zu dem setzt, der auf der Bank draußen Platz genommen hat in der Hoffnung, nicht gleich wieder verjagt zu werden.

Dann würde Weihnachten auch nach dem 26. Dezember noch lange weitergehen.

 

Thomas Fresia


Stand: 15.12.2016
Bildrechte: Andrea Ginsberg

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