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Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Hes 36,26

Lichter - Schein im Dunkeln
Gemeindeleben > Auf ein Wort

Ein Kranz brennender Teelichter, jeweils gehalten von einer Hand, kaum zu sehen in der DunkelheitEin Lichterkreis in der Dunkelheit. Wie passend zur Weihnachtszeit. Lichter vertreiben die Finsternis an allen Orten. Oft üppig aufeinandergehäuft und stilvoll geordnet, zu Weihnachtsbaum- oder Rentiersilhouetten in den Fenstern oder als Scheinwerfergirlanden über der Schildergasse. Menschen spüren, wie nötig sie das Licht haben, manchmal stellen sie sich sogar Tageslichtlampen in der Wohnung auf und setzen sich eine halbe Stunde davor. Vom Licht, so scheint es, können wir nicht genug kriegen. Wo wir doch so gerne sehen, kontrollieren, überprüfen, orten.

Und doch rufen wir uns in diesen Tagen in Erinnerung, dass mit dem Kind im Stall von Bethlehem gerade mal ein winziges Lichtlein in diese Welt Einzug hielt. Da brauchte es gar keine Festbeleuchtung, da erleuchtete ein Babylachen die Herzen und Seelen seiner Betrachter: Maria und Josef schauten es froh an, die Hirten beugten anbetend die Knie, die Weisen aus dem Morgenland brachten kostbare Geschenke vorbei. Und auch wir werden in den Weihnachtstagen immer wieder zur Krippe kommen, fröhlich triumphierend oder andächtig stehend. Wir werden dem Kind bringen, was es verdient: unser Leben. Mit all seinen Schattenseiten, mit all seinen Schwächen, mit all seinen Ecken und Kanten. Mit dem, was wir selbst so überhaupt nicht ausstehen können. Wir werden es ihm bringen und wissen, dass es bei ihm aufgehoben ist. Unfassbar klein macht sich Gott, damit er in uns und wir in ihm wohnen können. Ja, wir, schäbig wie wir oft sind, und Gott auf Du und Du, auf Augenhöhe, wie großartig ist das denn! Und wir müssen uns nicht einmal fürchten, denn Gott schaut uns mit den Augen dieses kleinen Babys an – mit diesem pausbäckigen Strahlen bis über beide Ohren blickt er auf uns. Freut sich über jeden, der kommt.

Und wir versammeln uns an der Krippe, in der dieses Balg liegt. Und unsere Hände sind auf den einen gerichtet. Einen Moment lang vergessen wir unser Alltagsgeschäft, unsere Isolation, unsere Ich-Bezogenheit. Einen Moment lang geht es einmal nicht um meine nächsten Schritte, nicht darum, was ich tun muss. Sondern es geht um meine Existenz, darum, dass ich sein darf. Jetzt, an diesem Ort, zu dieser heiligen Zeit, ungeschminkt und grundehrlich. Es geht um den, der mich heil machen will, mich ins Reine bringt mit mir, mir den Blick auf mich selbst zumutet und mir gleichzeitig Mut macht, mich genau so zu lieben. Wir versammeln uns an der Krippe, und wir sind eines Geistes. Einen kleinen Moment lang wenigstens, vielleicht nur, wenn wir am Ende der Christvesper „O du fröhliche“ singen. Oder uns es abends nach der Bescherung gemütlich machen mit unseren Lieben. Oder ich mutterseelenallein in der Heiligen Nacht aus dem Fenster schaue und die Glocken zum Gebet rufen höre.

Und am nächsten Morgen? Ist Weihnachten vorbei? Werden die Lichter ausgeblasen und abmontiert, die Weihnachtsbäume weggeworfen? Aber das Kind – Gott selbst – lebt weiter. Und wohnt unter uns. Auf der Straße. Bei der Arbeit. Im grauen Alltag. In den Konflikten. Bei den Notleidenden. Immer und überall ist er da. Und will es ein Stück heller machen. Unter uns. Und in uns.

Thomas Fresia


Stand: 18.12.2017
Bildrechte: Andrea Ginsberg

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