Lichtblick Café & mehrgeistreich Jugendkirche

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Hes 36,26

Es ist schon manchmal ein Kreuz mit der Kirche ... – den einen ist sie zu fromm, den anderen zu politisch, viele halten sie für überflüssig, wieder andere sehen außer ihr kein Heil. Manchem kommt sie zu salopp, zu zeitgeistig, zu modern daher, für manche ist sie der Inbegriff des Altmodischen, des Verstaubten, des Abgegriffenen. An der Kirche, so scheint es, scheiden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Menschen. Es ist ein Kreuz mit der Kirche, und es sind so viele Kreuze in der Kirche. Ja, ein Kreuz ist es mit diesem Jesus von Nazareth. Ein Kreuz mit einem Gott, der sich manchmal ganz schön bedeckt hält. Ein Kreuz mit dem Heiligen Geist, der weht, wo er will – und nicht, wo ich will.

Ein leeres Kreuz - das Auferstehungskreuz - aus Holz an der WandDas Kreuz in der Bonhoeffer-KapelleKeine leichte Kost, die uns Gläubigen – oder soll ich eher sagen: uns, die wir versuchen zu glauben? – da zugemutet wird. Keine Religion der einfachen Antworten, dieses Christentum. Auch, wenn ihr Inhalt am Ende auf einfache Lehr- und Glaubenssätze heruntergebrochen werden mag: „Gott liebt dich.“ – „Du bist gerecht allein durch den Glauben.“ – „Durch Jesus Christus bist du erlöst.“ Das alles muss sich Tag für Tag mit der gefühlten und bewussten Realität meines Lebens messen: Kriege, Armut, Terror, Naturkatastrophen. Soziale Kälte. Eiseskälte. Wachsender Nationalismus. Feindseligkeit. Hatespeech. Schon längst auch gegen diese Kirche. Ja, allenthalben scheint Paulus’ Wort von der Torheit des Kreuzes (1. Korintherbrief 1,18) in der Gegenwart ihren Platz zu haben. Und manchmal schien es bequemer und einfacher, sich ins stille Kämmerlein zurückzuziehen wie einst die Apostel vor dem Pfingstereignis und Religion zur Privatsache zu erklären: geht niemanden etwas an, hat aber auch keine Außenwirkung. Spart man sich all die Spötter, Zweifler und Angreifer. Ein Kreuz, dass die Kirche das aber gerade nicht tut. Dass sie Stimme erhebt. In ihrer ganzen Vielfalt. Und in ihrem einenden Kern: dieser so törichten Botschaft vom Kreuz. Karfreitag noch fett im Mittelpunkt, unverrückbar und barbarisch. Ein Folterinstrument, Sinnbild für unmenschliches Leid und höllische Qualen – „mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Wir haben unsere eigenen Kreuze im Rücken gespürt – Last, die mich selbst beschwert, Lebensatem, der mir genommen wird. Und dann, drei Tage später: Was sucht ihr denn den Lebenden bei den Toten? Christus ist auferstanden. Hört auf, euch zu viel mit dem Tod zu beschäftigen. Lebt das Leben. Wie es ist. Ungeschminkt. Echt. Und schmucklos. Aber lebendig eben. Und darum so zauberhaft schön. Blickt nicht länger aufs Kreuz – schaut hindurch. Schaut dahinter. Hinter Leid und Tod. Hinter Grausamkeit und Elend. Hinter menschliche Abgründe und teuflische Pläne. Schaut auf das Leben. Stärker als der Tod. Immer wieder neu aufblühend, sprießend, wachsend.

Ostern – die große Einladung zum Blick hinter die Kulissen. Hinter das Holz des Kreuzes. Hinter Zeit und Raum. Die große Einladung zum Blick in die Ewigkeit. In ein Davor und Danach. Ja, ein Kreuz, das uns nicht länger im Weg steht, uns nicht blockiert, uns nicht im Selbstmitleid versumpfen lässt, sondern das uns ruft, weiter zu schauen, zu gehen, zu glauben. Weiter, als der Verstand das je schaffen wird. Über die Ratio hinaus. Genau, es gehört schon eine große Portion Un-Vernunft – oder eher Über-Vernunft – dazu, sich eben nicht in die Komfortzone zurückzuziehen, sondern als Christenmensch in dieser Welt zu leben. Gottes Reich schon heute ein Stück Wirklichkeit werden zu lassen. An winzigen Stellen, in kurzen Momenten vielleicht nur, wenn mal wieder zwei oder drei sich versammeln ... – aber das ist dann Auferstehung, Sieg des Lebens über alles Lebensfeindliche. Freude und Segen in Hülle und Fülle. Lassen wir manch selbstverständliche Begegnung auf der Straße einmal zu einem Fest werden. Eben weiter schauend, gehend, glaubend. Ostern feiernd. Noch lange, nachdem die letzten Schokohasen verputzt sind.

Thomas Fresia

„Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.“

(Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769)


Stand: 14.05.2017
Bildrechte: Andrea Ginsberg

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