Lichtblick Café & mehrgeistreich Jugendkirche

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Hes 36,26

Wer von Ihnen war schon einmal auf Klettertour? An der Steilwand in den Schweizer Alpen, in der Kletterhalle oder in einem Hochseilgarten? Wer möchte nicht einmal gerne hoch hinaus!? Ich gestehe, ich bin kein guter Kletterer. Und so bleibe ich lieber unten und schaue fasziniert und immer ein wenig angespannt den anderen zu. Dabei kann – zumindest in Kletterhallen und Hochseilgärten – doch eigentlich kaum etwas passieren. Professionell, stabil und gleich mehrfach ist die Absicherung. Unser Klettermaxe auf dem Titelbild ist gleich dreifach gesichert. Zwei Karabiner und eine Seilrolle sorgen dafür, dass quasi jeder Fehltritt verziehen wird. Und die eigene Hand kann sich dazu auch noch einhaken.

Mann hängt, mehrfach gesichert, an einer Seilrutsche, unter sich der Waldboden

Mehrfach abgesichert, wie schön wäre es, das im Blick auf das eigene Leben sagen zu können. Nicht nur beim Kletterausflug, sondern in den Niederungen des Alltags. In einer Welt, die mir manchmal Angst macht. Wo Menschen sich einigeln, Mauern hochziehen, Fremde ausgrenzen. Der Ton ist rauer als rau geworden. Das Despotentum scheint wieder hoffähig zu sein. Säbelrasseln heißt heute Raketenquartett. Politische Grenzen verschwimmen, Völker rücken nach rechts. Was ist denn da überhaupt noch sicher?

Von oben gehalten

Mir kommt die Geschichte von der Spinne in den Sinn. „Es war an einem Sommertag“, so erzählt der Dichter Johannes Jörgensen, „da ließ sich eine Spinne an einem langen Faden vom Ast eines großen Baumes herab, um in der Ecke drunten ihr Nest zu bauen. Sorgfältig fügte sie Faden an Faden, bis das Wunderwerk vollendet war. – Nun hatte die Spinne keine Sorgen mehr. Die Sonne schien so herrlich; und so konnte sie sich den ganzen langen Sommer damit vergnügen, Fliegen zu fangen und das Leben zu genießen. Aber dann kam ein grauer Septembertag. Die Sonne blieb hinter den Wolken. An den Zweigen und Blättern und selbst an den Fäden des Netzes hingen die Tauperlen. Und darum ließ sich auch keine Fliege mehr sehen. So trübe wie das Wetter draußen, so elend war es der Spinne zumute. Und in dieser missmutigen Stimmung ging sie noch einmal durch ihr Netz und kam dabei an den langen Faden, an dem sie sich im Frühjahr herabgelassen hatte und an dem das ganze wunderbare Spinnennetz hing. – Aber um diesen Faden hatte sich die Spinne in all den sorglosen Tagen nicht mehr gekümmert. Sie hatte ja, was sie zum Leben brauchte, und das genügte ihr. Wozu sich noch Gedanken machen? So konnte sich die Spinne jetzt nicht mehr erinnern, was dieser Faden eigentlich zu bedeuten hatte. Der Faden schien ihr auf einmal sinnlos zu sein, und so biss sie in ihrer missmutigen Stimmung den Faden kurzerhand durch. Da fiel das wunderbare Netz in sich zusammen, und die Spinne lag wie betäubt drunten am Boden.

Es gibt ihn, meinen ganz persönlichen „Draht nach oben“. Ja, tatsächlich bin ich abgesichert. In aller gefühlten Unsicherheit. Mehr als durch alle Karabiner dieser Welt, denn Gott selbst hält mich und lässt mich nicht fallen. Und wenn ich wie die Spinne abgelenkt durch das, was ich selbst um mich herum gewoben habe, den Sinn vergesse, den dieser Draht nach oben meinem Leben gibt, dann ruft Paulus ihn mir wieder in Erinnerung: „Denn ich bin gewiss, dass uns nichts trennen kann von der Liebe Gottes, die er uns in Jesus Christus erwiesen hat.“

                 

Thomas Fresia


Stand: 18.10.2017
Bildrechte: Andrea Ginsberg

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