Dezember 2004
Brücken
bogen 2

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Gottesdienste - das Herzstück der Gemeinde

Eine neue „Liturgie“ für den Sonntagmorgen

Gottesdienste sollen das Herzstück der Gemeinde sein: lebendig und lebensnah, einladend und  eindrücklich, inspirierend und intensiv, musikalisch und meditativ. Sie sollen eine echte Begegnung mit Gott und seinem Wort, mit Mitmenschen bzw. Mitchristen und  mit uns selbst ermöglichen. Sie sollen uns, unseren Glauben und unser Leben durch Gottes Geist positiv verändern und den Sonntag zu einem einzigartigen Tag in der Woche machen.
So weit so gut. Über das, was Gottesdienste sein sollen, herrscht weitgehend Übereinstimmung. Aber wie Gottesdienste sein müssen, damit das alles geschehen kann und damit Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenslagen oder Altersgruppen sich angesprochen fühlen, ist schon schwieriger zu klären.
Um der Breite der Anforderungen und Erwartungen zu entsprechen, gibt es deshalb in unserer Gemeinde viele unterschiedliche Gottesdienstformen: Den „klassischen“ Sonntagmorgengottesdienst meistens mit  Kindergottesdienst, das Sonntagsfest, Offenen Abendgottesdienst und „Sonntag live“, „Minikirche“ und Schulgottesdienste, Jugendgottesdienste und Ökumenische Gottesdienste. Die meisten davon in größeren Abständen. Viel Engagement und Kreativität wird da hineingesteckt. Viele unterschiedliche Menschen erreicht.
Presbyterium und Gottesdienstausschuss waren sich aber einig, dass über der Vielfalt der „besonderen“ Gottesdienste auf keinen Fall der „klassische“ Sonntagmorgengottesdienst vernachlässigt werden darf, sondern jetzt noch einmal neu durchdacht, belebt und der veränderten Situation  angepasst muss.

Bisher war es so, dass in Stammheim und Flittard der Gottesdienst nach einem unterschiedlichen Ablauf gefeiert wurde. Kam einem als Flittarder der Gottesdienst in Stammheim vielleicht zu sehr mit Gesängen gespickt vor, so kam einem als Stammheimer der Gottesdienst in Flittard vielleicht viel zu „dürr“ vor.
Das Presbyterium und der Gottesdienstausschuss waren der Meinung, dass zu einer neuen Gemeinde nicht zwei unterschiedliche Gottesdienstformen gehören und es einer Vereinheitlichung bedarf, auch um das Gefühl der Gemeinsamkeit zu stärken.
Ein weiterer Grund für eine Vereinheitlichung war die bisherige Problem für die Gestaltenden, die in beiden Gottesdienststätten Dienst tun - vor allem die Gastprediger, den Gottesdienst in Stammheim in einer anderen Liturgie vorbereiten und feiern zu müssen als in Flittard. Dies ist Gastpredigern eigentlich nicht zuzumuten und einige haben sich deswegen auch schon beklagt.

 

Die „Vorarbeiten“

Der Ausschuss für Gottesdienst und Theologie war also gefragt, eine neue, gemeinsame Liturgie auszuarbeiten. Dieser Ausschuss ist mit Stammheimer und Flittarder Gemeindegliedern aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen besetzt, die alle mit den Gottesdiensten der Gemeinde zu tun haben, nämlich Organist, Kindergottesdienstteam, Sonntag-live-Team, Team des offenen Abendgottesdienstes, Presbyter, Prädikanten und ältere Gemeindeglieder. Die Mischung führte dazu, dass viel diskutiert und besprochen wurde. Die unterschiedlichen Sichtweisen wurden kennen gelernt und ernst genommen.
Dabei ging es z.B. darum, dass der evangelische Gottesdienst oft nur den Kopf anspricht und deshalb vieles nicht „vom Kopf ins Herz rutscht“. Liturgischen Formen, d.h. wiederkehrende Gestaltungselemente wie Gesänge und Symbole können hier hilfreich sein, um auch andere Schichten der Person zu berühren. Dies schmälert die besondere Bedeutung der Predigt nicht, sondern tritt unterstützend hinzu. Außerdem kann so die Gemeinde noch aktiver einbezogen werden und häufiger „zu Wort kommen“.

Bei seinen Überlegungen hatte der Gottesdienstausschuss auch die „Sieben maßgeblichen Kriterien“ und festgelegte Gliederung zu berücksichtigen, die die Evangelische Kirche in Deutschland für die Gottesdienstgestaltung vorgegeben hat:

1. Der Gottesdienst wird unter der Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert.
2. Der Gottesdienst folgt einer erkennbaren, stabilen Grundstruktur, die vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten offen hält.
3. Bewährte Texte aus der Tradition und neue Texte aus dem Gemeindeleben der Gegenwart erhalten den gleichen Stellenwert.
4. Der evangelische Gottesdienst steht in einem lebendigen Zusammenhang mit den Gottesdiensten der anderen Kirchen in der Ökumene.
5. Die Sprache darf niemanden ausgrenzen, vielmehr soll in ihr die Gemeinschaft von Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern sowie von unterschiedlichen Gruppierungen in der Kirche ihren ange­messenen Ausdruck finden.
6. Liturgisches Handeln und Verhalten bezieht den ganzen Menschen ein; es äußert sich auch leibhaft und sinnlich.
7. Die Christenheit ist bleibend mit Israel als dem erstberufenen Gottesvolk verbunden.

Der Gottesdienst ist in vier Teile gegliedert:
1. Eröffnung und Anrufung
2. Verkündigung und Bekenntnis (hierzu gehört ggf. auch die Taufe)
3. Abendmahl (aus praktischen Gründen nur einmal im Monat)
4. Sendung

Im Rahmen dieser Vorgaben, sowie ausgeführter Liturgieformen hat jede Gemeinde sich auf eine Grundform, einen Ablauf festzulegen. Diese „Normal-Liturgie“ soll aber dann durch die Kirchenjahreszeiten hindurch und zu besonderen Sonntagen variiert und jeweils konkret ausgestaltet werden, sodass Wiedererkennung und Abwechslung in ein gutes Gleichgewicht kommen.

Das Ergebnis

Der Gottesdienstausschuss erarbeitete also in mehreren Treffen einen Gottesdienstablauf – wie unten abgedruckt – für den Regelgottesdienst in der Ev. Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim. Das Presbyterium hat beschlossen, diese Gottesdienstform vom 1. Advent 2004 an ein Jahr lang zu erproben und dann in der Gemeindeversammlung zur Diskussion zu stellen.
Entsprechende Liturgieblätter werden in die Gesangbücher eingelegt.
Am 1. und 2. Adventssonntag wird Pfarrer Vorländer mit weiteren Mitwirkenden zusammen die neue Gottesdienstform vorstellen.

Außerdem werden Gemeindeglieder (ab Konfirmation) gesucht, die die Gabe und das Interesse haben, als Liturgen bei der Gottesdienstgestaltung mitzuwirken, das heißt z.B. Lesungen zu übernehmen, Gebete zu formulieren und zu sprechen.

Wenn sich ein kleiner Kreis gefunden hat, wird es eine Einführung und Schulung geben, damit alle auf ihre Aufgabe gut vorbereitet sind und sie mit Begeisterung angehen können.
Interessenten wenden sich bitte an einen der Presbyterinnen und Presbyter oder an Pfr. Vorländer.

A. Eröffnung und Anrufung

      -         Glockengeläut (nur Lukas-Kirche)
-         Musik zum Eingang (z.B. Orgel, andere Musikinstrumente, Gesangsvortrag,)
-         Eröffnungswort des Liturgen: „Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ Die Gemeinde antwortet mit: „Amen.“
-         Liturg: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der Bund und Treue hält ewiglich und das Werk seiner Hände nicht  preisgibt!“
-         Liturg: „Der Friede des Herrn sei mit Euch allen“ Gemeinde: „Und auch mit Dir!“
-         Begrüßung mit kurzem Hinweis zum Gottesdienstthema
-         Lied (Gemeinde od. Chor,)
-         Psalmgebet (z.B. gelesen, wechselnd gesprochen, Psalmlied)
-         Lobgesang (z.B. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist“)
-         Dank- und Bußgebet (wir bringen die vergangene Woche zu Gott, danken, bitten um Vergebung und seinen heiligen Geist)
-         Gesang: Kyrieeleison (Herr erbarme Dich)
-         Votum des Liturgen (z.B. Bibelspruch, Aufforderung zum Lob)
-         Lobgesang (Liedruf oder -strophe)

 

B. Verkündigung und Bekenntnis

      -         Einleitung/Ankündigung der Lesung
-         Dann: Gemeinde steht auf
-         Lesung
-         Hallelujaspruch und Hallelujagesang (wechselnder Gesang)
-         Glaubensbekenntnis
-         Dann: Gemeinde setzt sich
-         Kollektenansage
-         Predigtlied / Sonntagslied (mit Kollekte)
-         Predigt
-         Musik oder Stille
-         Lied (Gemeinde)

 

C. Abendmahl

      -         Einleitung zum Abendmahl
-         Abendmahlsgebet
-         Lobgesang (z.B. „Heilig, heilig, heilig“ oder „Laudate omnes gentes“)
-         [zusätzlich möglich: Bitte um den Heiligen Geist]
-         Einsetzungsworte
-         Vater unser
-
         Gesang : „Christe, Du Lamm Gottes“
-         Einladung
-         Austeilung mit musikalischer Begleitung
-         Danklied (z.B. „Meine Hoffnung und meine Freude“ oder Strophe aus dem Gesangbuch)

 

D. Sendung und Segen

      -         Abkündigungen (Veranstaltungen, Sonstiges, Amtshandlungen als Gebetsanliegen)
-         Gemeinde steht auf (schon zur Bekanntgabe der Verstorbenen)
-         Fürbittengebet
-         Vater unser (entfällt an dieser Stelle bei Abendmahl)
-         [Segenslied]
-         Segen
-         [zusätzlich möglich: Antwortgesang auf den Segen, z.B. „Amen, Amen, wir gehen im Namen des Herrn in die Welt, der segnend uns hält“]
-         Lied (Gemeinde, Chor)
-         Dann: Gemeinde setzt sich
-         Kurze Musik zum Ausgang


Gerold Vorländer, Volker Standt
 
 

Copyright © 2004  WebMaster Brückenschlag-Gemeinde   Letzte Bearbeitung: 4. Dezember 2004