Auf ein Wort (Dezember 2005)

Gottes Wege zu den Menschen

Es fasziniert mich unablässig, wie Gott Menschen begegnet, wie er Beziehungen aufbaut zu Menschen in ihrer ganz eigenen Art und Persönlichkeit, welche Wege er dabei wählt, wie er sie einbezieht und ihr Leben verändert.

Gerade der Weihnachtsfestkreis führt uns den Weg Gottes in die echte MenschlichkeitWeihnachten vor Augen. Gerade an Weihnachten, wo die Zahl der Kirchenbesuche so hoch ist wie sonst nie, geht es um die ganz persönlichen Fragen und Hoffnungen, Enttäuschungen und Sehnsüchte, Stärken und Schwächen von einzelnen Menschen, in deren Leben Gott kommen möchte.

Das Bild rechts zeigt uns eine ungeheure Dynamik zwischen Licht und Dunkelheit, Menschen und Tieren in den Schatten der Welt, furchtsam, - und leuchtenden Wesen aus Gottes Welt. Eine Begegnung, die eigentlich nicht zusammenpasst, doch gerade so das Geheimnis von Weihnachten enthüllt.

Gott und Mensch passen nämlich nur schlecht zusammen, obwohl Gott sich das ursprünglich als intensive Partnerschaft gedacht hatte (der Mensch als "Ebenbild", d.h. Gegenüber Gottes) und obwohl sich die Menschen gern göttliche Eigenschaften zulegen ("Nichts ist unmöglich..."). Aber der Bruch ist unübersehbar: Menschen misstrauen Gott und versuchen konsequent, ihn überflüssig zu machen, ohne ihn klar zu kommen und alles in die eigene Hand zu nehmen. Und Gott muss feststellen, dass die Menschen, die er liebt, sich so weit von ihm entfernt haben, dass ihre Überzeugungen, Verhaltensmuster und Machtstrukturen zu seiner Vorstellung von Leben nicht mehr kompatibel sind.

In jener Nacht vor rund 2000 Jahren in Bethlehem hat Gott einen völlig überraschenden Neuanfang gemacht, um das was zusammengehört und doch so nicht zusammen kommen kann, wieder zusammen zu bringen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden", singen die Engel, "... denn euch ist heute der Heiland geboren".

Dieses alte Wort "Heiland" bezeichnet einen, der wieder zurecht bringt, was kaputt ist, der Wunden und Beziehungen heilt und Entmutigten neue Hoffnung bringt.

Wie Schalen der Hoffnung haben die Engel auf dem Titelbild ihre Arme – oder Flügel? – nach oben geöffnet. Das Licht, das sie umgibt, ist warm und dynamisch. Ja es scheint fast, als sei der Stern oben rechts wie ein ins Wasser geworfener Stein und die verwischten Umrisse der Engelsgewänder wie Wellen, die sich kreisförmig in die Welt ausbreiten.

Der Hirte hält noch seine Hand schützend vor die Augen, erschreckt von dem unerwarteten Licht, ja kauert noch wie sein Tier am Boden. Bald aber wird er begriffen haben und seinerseits die Lichtwelle weiter tragen, wird loslaufen nach Bethlehem, die Geschichte sehen und das Wort ausbreiten, "das zu ihnen von dem Kinde gesagt ward". Und alle vor die es kommen wird, werden sich der Rede wundern.

Im Hinblick auf die Hirten hat Gott den Weg der leuchtenden Engel gewählt, um sie einzubeziehen und ihr Leben zu verändern.

Bei uns wählt er in der Regel etwas andere Wege: Einen anderen Menschen, der unser Herz erreicht, ein Bild, das unsere Augen öffnet, ein Buch, das uns neu ins Nachdenken bringt, ein Gottesdienst, in dem er uns seine Gegenwart spüren lässt. Immer aber kommt er mit seinem Licht in unsere Dunkelheit, um Menschen aus uns zu machen, die wieder zu ihm passen.

Ob wir - bei allem Weihnachts-Stress - dafür offen sind?

Gerold Vorländer

 

Copyright © 2005  WebMaster Brückenschlag-Gemeinde   Letzte Bearbeitung: 28. November 2005